MS-Diagnosekriterien: Wie Multiple Sklerose festgestellt wird
Zusammenfassung

Vielleicht hat alles mit einem Kribbeln begonnen, das nicht mehr verschwinden wollte. Oder mit Sehstörungen, Taubheitsgefühlen oder einer ungewohnten Schwäche. Nach den ersten Untersuchungen fällt plötzlich ein Satz, auf den dich niemand vorbereiten kann: „Wir müssen Multiple Sklerose ausschließen.“

Damit beginnt oft eine Zeit voller Unsicherheit. Fragen schießen dir durch den Kopf: Wie wird MS festgestellt? Reicht ein MRT aus? Was passiert, wenn sich der Verdacht bestätigt?

Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen, dass eine MS-Diagnose nicht vorschnell gestellt wird. Ärzt:innen nehmen sich bewusst Zeit, verschiedene Untersuchungen zusammenzuführen und andere mögliche Ursachen auszuschließen. Genau das sorgt dafür, dass die Diagnose am Ende möglichst sicher ist.

MS-Diagnosekrieterien: Das Wichtigste kurz gefasst

  • Eine MS-Diagnose basiert immer auf mehreren Untersuchungen – ein einzelner Test reicht nicht aus.
  • Die MS Diagnosekriterien helfen Ärzt:innen dabei, verschiedene Befunde sicher einzuordnen.
  • MRT, neurologische Untersuchung und häufig auch eine Liquorpunktion spielen bei der Diagnostik eine wichtige Rolle.
  • Andere Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose gestellt wird.
  • Auch wenn die Zeit bis zur Diagnose belastend sein kann: Eine sorgfältige Abklärung ist wichtig, damit die passende Behandlung beginnen kann.

Wie stellt man MS fest?

Wenn der Verdacht auf Multiple Sklerose besteht, gibt es keinen einzelnen Test, der die Erkrankung eindeutig nachweist. Stattdessen setzt sich die Diagnose aus verschiedenen Puzzleteilen zusammen. Dazu gehören unter anderem:

  • ein ausführliches Gespräch über deine Beschwerden und Krankengeschichte
  • eine neurologische Untersuchung
  • eine Magnetresonanztomographie (MRT)
  • häufig eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor)
  • bei Bedarf weitere neurologische Untersuchungen

Erst wenn alle Befunde gemeinsam ausgewertet werden, lässt sich beurteilen, ob tatsächlich Multiple Sklerose vorliegt oder ob eine andere Erkrankung die Beschwerden verursacht. Es ist vollkommen normal, dass du während der Wartezeit nervös bist. Versuche dich von einer Untersuchung zur nächsten zu tasten.

Die neurologische Untersuchung: Der erste wichtige Schritt

Am Anfang steht meist eine gründliche neurologische Untersuchung. Dabei überprüfen die Neurolog:innen unter anderem deine Reflexe, Muskelkraft, Koordination, Sensibilität und Bewegungsabläufe. Auch deine Krankengeschichte spielt eine wichtige Rolle. Oft wird zum Beispiel gefragt:

  • Wann sind die Beschwerden erstmals aufgetreten?
  • Wie lange haben sie angehalten?
  • Sind sie vollständig verschwunden oder bestehen sie weiterhin?
  • Gab es ähnliche Beschwerden schon früher?

Diese Informationen helfen dabei, typische Muster einer Multiplen Sklerose zu erkennen und den weiteren Untersuchungsplan festzulegen. Allerdings ist in diesem Fall die Diagnose MS in der Regel noch nicht gesichert.

Das MRT: Warum es für die MS-Diagnose so wichtig ist

Für viele möglicherweise von MS Betroffene gehört die Magnetresonanztomographie zu den wichtigsten Untersuchungen bei der Diagnostik. Im MRT können entzündliche Veränderungen im Gehirn und Rückenmark sichtbar gemacht werden, die für Multiple Sklerose typisch sein können. Deshalb spielt das MRT eine zentrale Rolle, wenn Ärzt:innen MS feststellen möchten. Dennoch gilt: Ein auffälliges MRT allein reicht für die Diagnose nicht aus.

Ebenso wichtig ist die umgekehrte Frage: Kann das MRT trotz MS unauffällig sein? Gerade in frühen Krankheitsstadien oder bei sehr kleinen Entzündungsherden kann es vorkommen, dass ein MRT des Kopfes zunächst unauffällig erscheint. In solchen Fällen können zusätzliche MRT-Aufnahmen des Rückenmarks oder Verlaufskontrollen notwendig sein.

Auch ein MRT ohne Kontrastmittel liefert bereits viele wichtige Informationen. Ob zusätzlich Kontrastmittel eingesetzt werden, entscheiden die behandelnden Ärzt:innen abhängig von der jeweiligen Fragestellung.

Normalerweise ist es in einem MRT eher eng, falls du Platzangst hast, gibt es inzwischen aber auch spezielle Geräte, die offen sind. Es lohnt sich, deine Ärzt:innen auf Alternativen anzusprechen.

Warum oft auch eine Liquorpunktion durchgeführt wird

Viele Menschen haben zunächst Respekt vor einer Liquorpunktion. Das ist verständlich und ganz normal. Gleichzeitig liefert diese Untersuchung wichtige Hinweise, wenn die Diagnosestellung für Multiple Sklerose noch nicht eindeutig ist. Dabei wird etwas Nervenwasser aus dem unteren Rücken entnommen und im Labor untersucht. Das klingt nicht angenehm, weshalb die Ärzt:innen auch Verständnis haben werden, dass du unsicher bist. Sprich deine Bedenken unbedingt im Vorfeld an.

Besonders interessant sind bei dieser Untersuchung sogenannte oligoklonale Banden. Sie können auf entzündliche Prozesse im zentralen Nervensystem hinweisen und unterstützen die Diagnostik. Wichtig zu wissen: Oligoklonale Banden bei MS kommen zwar häufig vor, beweisen die Erkrankung aber nicht allein. Auch sie werden immer gemeinsam mit allen anderen Untersuchungsergebnissen bewertet.

Die MS-Diagnosekriterien: Warum mehrere Befunde zusammenpassen müssen

Viele Betroffene wünschen sich nach den ersten Untersuchungen eine schnelle und eindeutige Antwort. Doch genau das ist bei Multipler Sklerose oft nicht möglich. Stattdessen orientieren sich Neurolog:innen an den sogenannten Diagnosekriterien bei MS, den international anerkannten McDonald-Kriterien.

Sie helfen dabei zu beurteilen, ob die Entzündungen an unterschiedlichen Orten im zentralen Nervensystem und zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgetreten sind. Fachleute sprechen von einer "räumlichen und zeitlichen Dissemination". Genau diese Kombination ist entscheidend, um Multiple Sklerose möglichst sicher von anderen neurologischen Erkrankungen abzugrenzen. Die 2024 überarbeiteten McDonald-Kriterien berücksichtigen dabei zusätzliche diagnostische Hinweise und ermöglichen in bestimmten Konstellationen eine frühere Diagnosestellung.

Die Diagnose stützt sich deshalb nie auf einen einzelnen MRT-Befund oder eine Liquoruntersuchung. Erst wenn Beschwerden, Untersuchungsergebnisse und bildgebende Verfahren zusammenpassen, kann eine Diagnosestellung für Multiple Sklerose erfolgen. Für dich als Betroffene:r kann diese Zeit des Wartens sehr belastend sein. Gleichzeitig schützt die sorgfältige Diagnostik davor, vorschnell eine chronische Erkrankung zu diagnostizieren oder eine andere Ursache zu übersehen.

Welche Krankheiten müssen ausgeschlossen werden?

Nicht jede Entzündung oder jede Auffälligkeit im MRT bedeutet automatisch Multiple Sklerose. Es gibt verschiedene Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden verursachen können und deshalb im Rahmen der MS Differentialdiagnose berücksichtigt werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD)
  • MOG-Antikörper-assoziierte Erkrankungen (MOGAD)
  • bestimmte Autoimmunerkrankungen
  • Vitamin-B12-Mangel
  • Infektionen des Nervensystems
  • Gefäßerkrankungen oder seltene Stoffwechselerkrankungen

Auch Migräne, Bandscheibenerkrankungen oder andere neurologische Erkrankungen können je nach Beschwerden zunächst an Multiple Sklerose denken lassen. Gerade deshalb nehmen sich Neurolog:innen Zeit für eine gründliche Abklärung. Für dich mag sich das manchmal wie ein unnötig langer Prozess anfühlen. Tatsächlich ist er jedoch ein wichtiger Schritt, um eine möglichst sichere Diagnose zu stellen und anschließend die passende Behandlung einzuleiten.

Was bedeutet es, wenn die Diagnose noch unklar ist?

Nicht immer können alle Fragen beim ersten Termin beantwortet werden. Manchmal bleiben die Untersuchungsergebnisse zunächst uneindeutig oder es fehlen noch Hinweise, die für eine sichere Diagnose notwendig sind.

Eine unklare MS-Diagnose bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sich der Verdacht bestätigt oder ausschließt. Häufig werden in solchen Situationen Kontrolluntersuchungen vereinbart, beispielsweise ein weiteres MRT nach einigen Monaten oder ergänzende neurologische Untersuchungen.

Diese Wartezeit kann emotional sehr belastend sein. Viele Personen, die diesen Diagnoseprozess durchmachen, berichten, dass gerade die Ungewissheit schwer auszuhalten ist. Vielleicht kennst du den Wunsch, endlich Gewissheit zu haben – unabhängig davon, wie das Ergebnis ausfällt. Versuche in dieser Zeit, Fragen zu notieren und sie beim nächsten Termin anzusprechen. Ein offenes Gespräch mit deinen Neurolog:innen kann helfen, Unsicherheiten abzubauen und den weiteren Ablauf besser zu verstehen.

Wie geht es nach der MS-Diagnose weiter?

Eine gesicherte Diagnose verändert vieles. Für manche Menschen ist sie zunächst ein Schock. Andere empfinden auch Erleichterung, weil ihre Beschwerden endlich einen Namen haben und die Unsicherheit endet. Beides ist völlig normal. Du könntest auch beide Emotionen im Wechsel erleben.

Eine MS-Diagnose bedeutet heute etwas anderes als noch vor einigen Jahrzehnten. Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich deutlich weiterentwickelt. Es stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können. Darüber hinaus spielen Bewegung, Ernährung, psychische Gesundheit und der Umgang mit Fatigue eine wichtige Rolle.

Niemand erwartet, dass du sofort Antworten auf alle Fragen findest. Gib dir Zeit, die Diagnose zu verarbeiten. Informiere dich aus verlässlichen Quellen und nimm Unterstützung an, wenn du sie brauchst. Viele Personen, die von MS betroffen sind, erleben, dass sie Schritt für Schritt wieder mehr Sicherheit gewinnen und lernen, ihren Alltag aktiv zu gestalten.

Digitale Unterstützung bei MS-Fatigue: elevida

Eine MS-Diagnose bringt häufig viele Fragen und Unsicherheiten mit sich. Besonders dann, wenn zusätzlich Fatigue den Alltag belastet, kann es hilfreich sein, Unterstützung zu erhalten.

elevida begleitet dich mit interaktiven Dialogen, praktischen Übungen und wissenschaftlich fundierten Strategien, die dir helfen, Erschöpfung besser zu verstehen und deine Energiereserven im Alltag bewusster einzusetzen.

Die digitale Therapie ist für Menschen mit Multipler Sklerose und Fatigue auf Rezept erhältlich und wird von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig übernommen. Du kannst elevida flexibel von zu Hause aus starten – ergänzend zu deiner bestehenden Behandlung.

Fazit – Du bist in der Diagnostik nicht allein

Die MS Diagnosekriterien sorgen dafür, dass Multiple Sklerose möglichst sicher diagnostiziert wird. Dafür werden verschiedene Untersuchungsergebnisse zusammengeführt – von der neurologischen Untersuchung über das MRT bis hin zur Liquoruntersuchung. Auch wenn dieser Prozess Zeit braucht und Geduld erfordert, schafft er die Grundlage für die richtige Behandlung.

Solltest du dich gerade mitten in der Diagnostik befinden, versuche dir bewusst zu machen: Du musst diesen Weg nicht allein gehen. Sprich offen mit deinem Behandlungsteam, stelle alle Fragen, die dich beschäftigen, und gib dir genug Zeit, die vielen neuen Informationen zu verarbeiten. Auch wenn die Diagnose zunächst beängstigend wirken kann, gibt es heute viele Möglichkeiten, den Alltag mit Multipler Sklerose aktiv und selbstbestimmt zu gestalten.

Die wichtigsten Fragen & Antworten

Multiple Sklerose verstehen

Das MRT ist ein zentraler Bestandteil der Diagnostik, reicht allein aber nicht aus. Die Diagnose basiert immer auf mehreren Untersuchungen, darunter die neurologische Untersuchung, die Krankengeschichte und häufig auch eine Liquoruntersuchung.

Nicht unbedingt. Vor allem zu Beginn der Erkrankung kann es vorkommen, dass Veränderungen noch nicht eindeutig sichtbar sind. In solchen Fällen können Kontrolluntersuchungen oder weitere diagnostische Verfahren notwendig sein.

Die Diagnosekriterien für MS verlangen den Nachweis, dass Entzündungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und an verschiedenen Stellen des zentralen Nervensystems aufgetreten sind. Deshalb sind manchmal Verlaufskontrollen notwendig, bevor eine sichere Diagnose gestellt werden kann.

Quellen