MS-Schub: So erkennst du ihn und so wird er behandelt

Zusammenfassung

Wenn plötzlich neue Beschwerden auftreten oder sich bekannte Symptome deutlich verschlimmern, kann das Angst machen. Aber wie genau macht sich ein MS-Schub bemerkbar? Und geht ein MS-Schub von alleine weg?

Nicht jede Verschlechterung ist automatisch ein Schub. Infektionen, Wärme, Stress oder andere Belastungen können bestehende MS-Symptome vorübergehend verstärken. Umso wichtiger ist es, neue oder ungewöhnliche Beschwerden ernst zu nehmen und medizinisch abklären zu lassen. In diesem Artikel erfährst du, was ein MS-Schub ist, welche Symptome typisch sind, was hinter einem Pseudoschub steckt und wie ein akuter Schub behandelt werden kann.

MS-Schub: Das Wichtigste kurz zusammengefasst

  • Ein MS-Schub bedeutet, dass neue neurologische Symptome auftreten oder sich bestehende Beschwerden deutlich verschlechtern.
  • Typischerweise halten die Beschwerden länger als 24 Stunden an und treten nach einer stabilen Phase auf.
  • Infektionen oder andere Ursachen müssen ausgeschlossen werden, bevor ein Schub diagnostiziert wird.
  • Ein Pseudoschub kann ähnliche Beschwerden verursachen, ohne dass eine neue Entzündungsaktivität vorliegt.
  • Bei einem stärkeren MS-Schub kann eine hochdosierte Kortisontherapie die Erholung beschleunigen.
  • Nicht jeder Schub muss mit Kortison behandelt werden. Die Entscheidung sollte gemeinsam mit auf MS spezialisierten Ärzt:innen getroffen werden.

Was ist ein MS-Schub?

Bei Multipler Sklerose kann es Phasen geben, in denen neue neurologische Beschwerden auftreten oder bereits bekannte Symptome deutlich stärker werden. Ein solcher akuter MS-Schub entsteht durch neue entzündliche Aktivität im zentralen Nervensystem.

Nach der aktuellen NICE-Leitlinie wird ein Schub angenommen, wenn neue Symptome auftreten oder bestehende Symptome sich verschlechtern, länger als 24 Stunden anhalten und zuvor mindestens einen Monat lang eine stabile Phase bestanden hat. Gleichzeitig müssen andere Ursachen – insbesondere Infektionen – ausgeschlossen werden.

Nicht jede schlechte Phase bei MS ist automatisch ein Schub. Eine genaue Einschätzung ist deshalb wichtig.

Wie macht sich ein MS-Schub bemerkbar?

Die Beschwerden hängen davon ab, welche Bereiche des zentralen Nervensystems betroffen sind. Möglich sind beispielsweise:

  • Sehstörungen oder Schmerzen bei Augenbewegungen
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln
  • neue oder zunehmende Muskelschwäche
  • Gleichgewichts- und Koordinationsprobleme
  • Schwierigkeiten beim Gehen
  • Veränderungen der Feinmotorik
  • neue Blasen- oder Darmbeschwerden
  • Veränderungen der Sensibilität

Auch kognitive Veränderungen können während eines Schubs vorübergehend stärker auffallen. Welche Symptome auftreten und wie ausgeprägt sie sind, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

MS-Schub oder Pseudoschub?

Eine besondere Herausforderung ist die Unterscheidung zwischen einem echten Schub und einem sogenannten Pseudoschub.

Bei einem Pseudoschub werden bereits bekannte MS-Symptome vorübergehend stärker, ohne dass eine neue Entzündungsaktivität die Ursache ist. Auslöser können beispielsweise eine Infektion oder andere körperliche Belastungen sein. Deshalb sollte vor der Diagnose eines Schubs insbesondere nach Infektionen gesucht werden.

Auch Wärme kann bei manchen Menschen dazu führen, dass bestehende neurologische Beschwerden vorübergehend stärker wahrgenommen werden. Stress kann ebenfalls eine Rolle spielen. Das bedeutet allerdings nicht, dass MS-Schübe durch Stress entstehen. Stress und andere Belastungen können Beschwerden viel mehr verstärken oder deren Wahrnehmung beeinflussen.

Warum ist die Unterscheidung so wichtig?

Ein Pseudoschub wird anders behandelt als ein echter Schub. Deshalb solltest du nicht auf eigene Faust davon ausgehen, dass eine neue Verschlechterung einen MS-Schub darstellt. Wenn neue Beschwerden auftreten oder sich Symptome deutlich verändern, ist es sinnvoll, deine behandelnde Praxis oder dein MS-Zentrum zu kontaktieren. Dort kann eingeschätzt werden, ob weitere Untersuchungen notwendig sind.

Den MS-Schub aussitzen: Ist das sinnvoll?

Eventuell kennst du den Gedanken: „Ich warte einfach ein paar Tage, vielleicht geht es von alleine weg.“ Tatsächlich können sich MS-Schübe teilweise auch ohne spezielle Akuttherapie wieder bessern. Trotzdem solltest du einen möglichen Schub nicht einfach ignorieren. Entscheidend ist, wie stark dich die Beschwerden beeinträchtigen und welche Symptome auftreten.

Die NICE-Leitlinie empfiehlt, Schübe, die die alltäglichen Aktivitäten beeinträchtigen, möglichst früh und innerhalb von 14 Tagen nach Beginn der Symptome zu beurteilen und gegebenenfalls zu behandeln. Nicht jeder Schub benötigt jedoch Kortison. Wenn du beispielsweise aber plötzlich deutlich schlechter sehen kannst, neue Schwäche bemerkst oder Schwierigkeiten beim Gehen bekommst, solltest du nicht mehrere Wochen abwarten und es direkt abklären lassen.

Wie wird bei einem MS-Schub mit Kortison behandelt?

Eine häufig eingesetzte MS-Schubtherapie sind hochdosierte Kortikosteroide, meistens Methylprednisolon. Sie sollen die akute Entzündungsreaktion bremsen und die Erholung von einem Schub beschleunigen. Nach der NICE-Leitlinie wird bei behandlungsbedürftigen Schüben orales Methylprednisolon in hoher Dosierung empfohlen. Eine intravenöse Behandlung kann unter bestimmten Umständen infrage kommen, etwa bei einem schweren Schub oder wenn eine orale Behandlung nicht vertragen wurde oder nicht ausreichend wirkt.

Wichtig ist dabei: Kortison heilt MS nicht und verhindert auch nicht automatisch zukünftige Schübe. Es geht bei der Akutbehandlung darum, die Erholung von einem aktuellen Schub zu unterstützen.

MS-Schub: Cortison und mögliche Nebenwirkungen

Eine hochdosierte Kortisonbehandlung kann Nebenwirkungen haben. Dazu gehören beispielsweise:

  • Schlafstörungen
  • Unruhe oder Stimmungsschwankungen
  • Veränderungen des Blutzuckers
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • vorübergehende psychische Veränderungen

Die NICE-Leitlinie weist ausdrücklich darauf hin, dass hochdosierte Steroide unter anderem vorübergehend Schlaflosigkeit, Depression, Verwirrtheit oder Unruhe auslösen können. Deshalb solltest du mögliche Vorerkrankungen und Medikamente vor einer Behandlung mit deinen Ärzt:innen besprechen.

MS-Schub ist nach Kortison schlimmer – kann das passieren?

Nach einer Kortisontherapie kann es vorkommen, dass du dich zunächst nicht besser fühlst oder Nebenwirkungen bemerkst. Das bedeutet nicht automatisch, dass der MS-Schub nach Kortison schlimmer geworden ist.

Die Erholung nach einem Schub braucht Zeit. Wenn sich deine Beschwerden nach einer Behandlung deutlich verschlechtern, neue Symptome hinzukommen oder du dir unsicher bist, solltest du dich erneut an dein behandelndes Team wenden. Eine eigenständige Wiederholung oder Anpassung der Kortisondosis ist nicht sinnvoll. Steroide sollten nicht für zukünftige Schübe zur Selbstanwendung zu Hause bereitgestellt werden.

Wie lange dauert ein MS-Schub?

Die Dauer eines MS-Schubs kann sehr unterschiedlich sein. Manche Beschwerden bilden sich innerhalb von Tagen oder Wochen zurück, bei anderen dauert die Erholung länger. Es kann auch sein, dass Symptome teilweise bestehen bleiben.

Eine feste Antwort auf die Frage, ob ein MS-Schub Monate dauert, lässt sich deshalb nicht für jede Person geben. Wenn Beschwerden über längere Zeit bestehen, muss außerdem geprüft werden, ob tatsächlich weiterhin ein Schub vorliegt oder ob andere Faktoren beziehungsweise eine bleibende Beeinträchtigung eine Rolle spielen. Die NICE-Leitlinie empfiehlt, Symptome, die länger als drei Monate bestehen, nicht routinemäßig als Schub zu diagnostizieren.

Wann solltest du mit einem MS-Schub ins Krankenhaus?

Nicht jeder MS-Schub erfordert eine stationäre Behandlung. Bei schweren Schüben kann ein Krankenhausaufenthalt jedoch sinnvoll oder notwendig sein – insbesondere dann, wenn die medizinische Versorgung zu Hause nicht ausreicht. Wende dich deshalb bei neuen oder starken neurologischen Beschwerden zeitnah an deine behandelnden Ärzt:innen oder dein MS-Zentrum.

Bei plötzlich auftretenden schweren neurologischen Symptomen, insbesondere wenn beispielsweise eine Lähmung, eine deutliche Sprachstörung oder eine andere akut lebensbedrohlich wirkende Veränderung auftritt, sollte dagegen sofort medizinische Hilfe gerufen werden. Denn nicht jede akute neurologische Veränderung ist durch MS erklärbar.

Was kannst du bei einem möglichen MS-Schub selbst tun?

Du musst einen möglichen Schub nicht allein einschätzen. Hilfreich ist es, Veränderungen möglichst genau zu beobachten und weiterzugeben. Notiere dir zum Beispiel:

  • Wann haben die Beschwerden begonnen?
  • Welche Symptome sind neu?
  • Welche bereits bekannten Symptome haben sich verändert?
  • Sind die Beschwerden dauerhaft oder schwanken sie?
  • Gibt es Anzeichen für eine Infektion, etwa Fieber?
  • Wie stark beeinträchtigen die Beschwerden deinen Alltag?

Diese Informationen können deinem Ärzteteam helfen, die Situation besser einzuschätzen. Außerdem gilt, dass Schonung während eines Schubs sinnvoll sein kann, aber du musst dich nicht vollständig zurückziehen. Welche Bewegung, Belastung oder Rehabilitation gerade passend ist, hängt von deinen Beschwerden ab. Das kannst du mit deinem Behandlungsteam besprechen.

Digitale Unterstützung bei MS-Fatigue: elevida

Ein MS-Schub kann körperlich und emotional sehr anstrengend sein. Gerade wenn zusätzlich MS-Fatigue besteht, kann es schwierig sein, die eigenen Energiereserven im Alltag einzuschätzen. Du möchtest lernen, besser mit deiner Fatigue umzugehen und deine Energiereserven bewusster einzusetzen?

elevida begleitet dich mit interaktiven Dialogen, praktischen Übungen und wissenschaftlich fundierten Strategien. Ziel ist es, dir dabei zu helfen, deine Erschöpfung besser zu verstehen und deinen Alltag trotz Fatigue aktiver und selbstbestimmter zu gestalten.

elevida ist für Menschen mit Multipler Sklerose und Fatigue auf Rezept erhältlich und wird von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig übernommen. Die digitale Therapie kann ergänzend zu deiner bestehenden Behandlung genutzt werden.

Fazit – Einen möglichen MS-Schub ernst nehmen

Ein MS-Schub kann sich durch ganz unterschiedliche neue oder verstärkte neurologische Beschwerden bemerkbar machen. Entscheidend ist, dass die Symptome ausreichend lange bestehen und andere Ursachen wie eine Infektion ausgeschlossen werden. Nicht jede Verschlechterung ist ein echter Schub. Ein Pseudoschub kann ähnliche Beschwerden verursachen und erfordert eine andere Behandlung. Deshalb solltest du neue oder deutlich zunehmende Symptome nicht einfach auf die MS schieben oder über längere Zeit aussitzen.

Eine Kortisontherapie kann bei einem behandlungsbedürftigen Schub die Erholung beschleunigen, ist aber nicht für jeden Schub notwendig. Die Entscheidung darüber gehört in die Hände deines behandelnden Teams. Wenn du gerade neue Beschwerden bemerkst, darfst du dir Unterstützung holen.

Die wichtigsten Fragen & Antworten

Multiple Sklerose verstehen

Typisch sind neue neurologische Symptome oder eine deutliche Verschlechterung bestehender Beschwerden, die länger als 24 Stunden anhalten. Dazu können unter anderem Sehstörungen, Taubheitsgefühle, Muskelschwäche, Gleichgewichts- oder Koordinationsprobleme gehören. Eine ärztliche Abklärung ist wichtig, weil auch andere Ursachen ähnliche Beschwerden auslösen können.

Ein MS-Schub kann sich auch ohne Kortison wieder bessern. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Stärke der Beschwerden und ihrer Bedeutung für deinen Alltag ab. Ein möglicher Schub sollte deshalb trotzdem zeitnah medizinisch beurteilt werden.

Nicht jeder Schub muss im Krankenhaus behandelt werden. Bei schweren Schüben oder wenn die Versorgung zu Hause nicht ausreicht, kann eine stationäre Behandlung notwendig sein. Bei plötzlich auftretenden schweren neurologischen Symptomen solltest du unabhängig von deiner MS-Erkrankung sofort medizinische Hilfe suchen.

Quellen